Feb 28

Burkhard StarkeVöllig unerwartet ist unser Schach­freund Burk­hard Star­ke am 23.02.2021 im Alter von 79 Jah­ren ver­stor­ben.
Burkhard war jahr­zehn­te­lang so­wohl beim SC Leip­zig-Goh­lis als auch später bei un­se­rer SGL als Schach­lehrer ak­tiv und hat da­bei vie­le star­ke Schach­spie­ler her­vor­ge­bracht. Zu sei­nen be­kann­tes­ten Schütz­lin­gen zählt si­cher­lich WGM Me­la­nie Lubbe (geb. Ohme). Sein lang­jäh­ri­ger Schach­freund und Weg­ge­fähr­te GM Rai­ner Knaak hat auf Chess­base bereits einen Nach­ruf auf Burk­hard ver­fasst. Auch auf un­se­rer Sei­te wird an die­ser Stel­le bald ein ge­mein­sa­mer Nach­ruf seiner Weg­ge­fähr­ten und Schütz­linge fol­gen.
Unser Bei­leid und un­se­re An­teil­nah­me gel­ten Burk­hards Hin­ter­blie­be­nen und An­ge­hö­ri­gen.

UPDATE:
Hier beginnt nun die Nach­ruf­sammlung für Burk­hard. Eigene Nach­rufe haben bisher bei­ge­steuert:

WGM Melanie Lubbe:

Seit dem Tag, als ich vor über 20 Jahren als junges Mädchen in Burkhards Trainingsgruppe kam, hat Burkhard meine schachliche Entwicklung wie kein Zweiter begleitet und gefördert.

Burkhard brachte mir meine allerersten Eröffnungen bei und konnte selbst mich als sturköpfigen Theoriemuffel zum Eröffnungsstudium motivieren. Das lag wohl vor allem an seinem großen Engagement, seiner Hartnäckigkeit und seinen anschaulichen Trainingsmethoden. Noch heute spiele ich die Varianten, die mir Burkhard damals als laminierte Trainingskarten mit der Überschrift „Läuferspiel nach Michael Adams“ zusammengestellt hat.

Auch die anderen Trainingsbereiche wusste Burkhard immer kreativ und lehrreich zu gestalten. Hier sind an erster Stelle seine „Starke Bauernregeln“ zu nennen, die sich wie ein roter Faden durch unsere zahlreichen gemeinsamen Trainingseinheiten zogen. Burkhards gereimte Sprüche halfen mir stets, wichtige Merkregeln zu verinnerlichen und später in den Turnierpartien erfolgreich anzuwenden. Zum Beispiel ertappte ich mich während meines Siegs gegen GM Le Roux dabei, in Gedanken meinen Lieblingsspruch zu rezitieren: „Ist das Feldernetz gesäubert, und der König steckt darin, wird nicht anderswo geräubert, sondern Mattangriff macht Sinn!“

Auch abseits des Brettes stand mir Burkhard stets mit Tatendrang und Einfallsreichtum unterstützend zur Seite. Sei es mit seiner umfangreichen Bibliothek, seinem historischen Wissen, hilfreichen Denkanstößen zur Bachelorarbeit oder auch der persönlichen Abholung zu Training, Punktspiel oder Lehrgängen.

Vielen Dank, Burkhard, für dein außerordentliches Engagement, dein unerschöpfliches Wissen, deine zahlreichen Ratschläge. Ich bin sehr dankbar, dich so viele Jahre lang als Mentor an meiner Seite gehabt zu haben.

In tiefer Trauer,

Melanie

Manuel Pietzsch:

„Baut der König sich ein Kittchen, ruht im Sarg er wie Schneewittchen! Denn er ist nicht tot noch matt, sondern scheintot, also patt!“
(Seite 99, „Starke Bauernregeln“, 2. Auflage)

Burkhard Starke wird für immer in den Herzen der sächsischen Schach Szene weiterleben.

Burkhard Starke war, ist und bleibt eine Instanz des Schach Leistungssports in Sachsen. Viele Worte brauch man über ihn nicht verlieren. Seine Augen haben immer mehr gesehen als die seiner Schützlinge – auch neben dem Schachbrett. Gerade das hat ihn als Trainer ausgemacht. Einen besseren wird es nicht geben.

Es tut mir leid, dass ich Dich enttäuscht habe.
Vielen Dank für dein Lebenswerk!

Ein stiller Gruß vom Mattsetzer

FM Hendrik Hoffmann:

Der 5. Juni 2001 war ein Dienstag. Traditioneller Trainingstag für den Schachnachwuchs des SC Leipzig-Gohlis (einem Vorgängerverein der heutigen SG Leipzig). Ein Trainer fehlte jedoch, denn Burkhard Starke beging an jenem Tag seinen 60. Geburtstag. Da die Feier nur unweit enfernt durchgeführt wurde, schnappten wir uns kurzerhand unsere Fahrräder bzw. Autos und kreuzten mit ca. 15 Personen dort auf – sehr zur Überraschung vor allem der Gäste aus dem beruflichen Umfeld von Burkhard. Der Jubilar selber gab sich ebenfalls erstaunt und erfreut. Dies war allerdings (gut) geschauspielert, denn er hatte uns vorher eingehend instruiert …

„Herr Starke, Herr Starke! Haben Sie wieder einen Witz für uns?“ Kein Problem! Burkhard hatte immer einen neuen Witz parat. Dienstag für Dienstag zu Beginn des Vereinsjugendtrainings und nie hat er einen Witz zum zweiten Mal erzählt. Auch den hier nicht: Zwei Freunde treffen sich.
„Du, ich war gestern beim Pferderennen. Als mich kurz gebückt habe, um meine Schuhe zuzubinden, hat mich wohl jemand für ein Pferd gehalten und mir einen Sattel übergeworfen.“
„Was hast du denn da gemacht?“
„Den zweiten Platz!“

Zwei kleine Episoden, die wesentliche Eigenschaften Burkhards bezeugen: Er plante gern (und gut) und hatte einen ausgeprägten Sinn für Humor. Bei allem Frohsinn, den Burkhard an Tag legte und auch verbreitete, war er jedoch ein Mensch, der das Schachspiel ernsthaft betrieb. So habe ich ihn zum Beispiel nie eine Blitzpartie spielen sehen.

Bis zuletzt leitete Burkhard die Schul-AG in der Karl-Liebknecht-Schule. Nicht wenige AG-Teilnehmer fanden den Weg in unseren Verein. Dazu kamen zeitweise noch weitere AGn im Kindergarten um die Ecke und in der GS Dölzig.

Das Betätigungsfeld Burkhards war aber nicht auf unseren Verein und das Nachwuchstraining beschränkt. Er leitete mehr als zehn Jahre den Landesleistungsstützpunkt Leipzig. In dieser Funktion organisierte er kleine kompakte Nachwuchslehrgänge und sichtete bei Stadt- und Bezirksmeisterschaften. Auf Landesebene stand Burkhard als Trainer für Kaderlehrgänge und bei der IEM U8 zur Verfügung.

Burkhard Starke wäre im Juni dieses Jahres 80 Jahre alt geworden.

Friedrich Beckel:

Meister des Bezirkes Leipzig im Schach wurde Burkhard Starke vor 1960 bei der Jugend und nach 1960 bei den Männern. Doch genau im Jahre 1960 zählte er zu den unermüdlichen Helfern bei der Schacholympiade in Leipzig. Als Dolmetscher für Russisch und Englisch war er über vier Wochen im Einsatz. So hatte er unmittelbaren Kontakt mit dem amtierenden Weltmeister Michail Tal sowie dessen Vorgängern und Nachfolgern, darunter auch Bobby Fischer. Diese Erfahrung bestärkte ihn in seinem Berufswunsch. Er studierte Fremdsprachen und arbeitete intensiv in der Wirtschaft. Das aktive Schach musste in den Hintergrund treten. Jedoch war Burkhard ab und an wieder dabei, wenn die damalige Schachgemeinschaft Leipzig einen neuen DDR-Meistertitel für die Heimatstadt erringen konnte.

Frank Bicker:

Liebe Schachfreunde,

Traurigkeit überkam mich, als ich auf der SVS-Website las, dass Burkhard Starke nicht mehr unter uns weilt.

Ich möchte dem Verein und der Familie von Burkhard Starke mein tiefes Beileid übermitteln.

2013 lud ich Burkhard Starke zum Schachturnier der Grundschulen nach Plauen ein. Für die Eltern kommentierte er unterhaltsam die Partien der Kinder, die live auf einer Leinwand übertragen wurden. Die Runden eröffnete er mit seinen klugen und gut zu merkenden Schachregeln in Versform. Die Kinder lauschten gespannt. Es war für alle Beteiligten ein großes Erlebnis.

Man konnte viel von ihm lernen. Sein Buch „Starke Bauernregeln“ bietet gute Orientierung, sich in unterschiedlichen Situationen am Brett zurechtzufinden.

Burkhard hat sicher viele Nachwuchsspieler in Leipzig geprägt, die nun auch schon teilweise erwachsene Kinder haben. MoGoNo Leipzig war immer stark besetzt und wir Plauener hatten ordentlichen Respekt. Es wurde immer hart gekämpft.

Ich würde mich freuen, wenn die schmerzhafte Lücke von Burkhard Starke sich nicht auf das Vereinsgeschehen auswirkt. Der SG Leipzig wünsche ich weiterhin viel Erfolg!

Frank Bicker
Vereinsvorsitzender, Vogtländischer Schach-Club Plauen 1952 e.V.


4 Antworten auf “Burkhard Starke (05.06.1941-23.02.2021)”

  1. 1. Dieter schrieb:

    Sein Tod ist ein unerwarteter und schlimmer Verlust für die Schachszene. Ich bin überzeugt, daß viele seiner Schützlinge und Weggefährten immer an ihn denken werden. Mit seinem Buch „Starke Bauernregeln“ hat er sich ein Denkmal in der Nachwuchsarbeit gesetzt.

  2. 2. Markus schrieb:

    Solche Nachrichten machen mich immer wieder erneut betroffen. Ich habe Burkhard sehr geschätzt und als scharfsinnigen sowie humorvollen Menschen kennen gelernt. Auch meine beiden Jungs haben sehr gern mit ihm trainiert. Unser herzliches Beileid an seine Frau Carola und seine gesamte Familie.
    Markus, Claudia, Robert, Bruno und Rose-Marie

  3. 3. Paul-Wäge-Grundschule Dölzig schrieb:

    Jeden Dienstag seit über 6 Jahren hat Herr Starke in unserer Schule seine Schach-AG angeboten und sie war immer sehr beliebt und sehr gut besucht. Er hatte es nicht immer leicht mit einer Horde Grundschüler und doch haben sie schnell und viel gelernt. Manche waren 4 Jahre dabei und verstanden am Ende wirklich etwas vom Schach spielen.
    Er hat es geschafft mit Freude und Spaß die Kinder auch am Nachmittag dazu zu bewegen, sich zu konzentrieren und das Spiel zu erlernen.
    Ich hatte immer den größten Respekt vor seiner unendlichen Geduld.
    Wir werden ihn vermissen und wünschen seinen Angehörigen viel Kraft in dieser Zeit.
    Das gesamte Team der Paul-Wäge-Grundschule Dölzig

  4. 4. Mariska de Mie schrieb:

    Meine Töchter spielen leider kein Schach mehr, aber die Erinnerungen an die Turniere in Sachsen mit „diesem lieben Mann, der Holländisch spricht und eben Holländische Bücher für uns hat mitgenommen, Mama!!“ bleiben uns immer bei.
    Liebe Burkhard Starke, danke schön für alles was Sie für das Jugendschach bedeutet haben und daß war sehr viel und nicht nur in Deutschland. Die Mädchen finden Sebnitz das schönste Turnier was sie gespielt haben und obwohl sie jetzt andere Interessen haben, denken wir mit viel Freuden daran zurück.

    Liebe Grüße,

    Mariska de Mie
    Selma Bertholee
    Isabella Bertholee

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